Der zweite automatisierte Prozess ist wichtiger als der erste

Der Reifegrad einer Organisation zeigt sich nicht am besten automatisierten Prozess, sondern daran, wie viel ihr nächster Prozess noch selbst erledigen muss. In der Fertigung ist das erste Teil Handarbeit, das zweite läuft über eine Vorrichtung – die Reife steckt in der Vorrichtung, nicht im Teil.
Vererbt wird die Form, nicht der Inhalt. Die Konvention, wie ein Kontext-Ordner aufgebaut wird, das Raster für die Wahl eines Kontrollmusters, das Format des Fehlerprotokolls, die Antwort darauf, wer eine Inbetriebnahme unterschreibt – und die Person, die das alles schon einmal gemacht hat. Nicht vererbt werden Kontext, Prompts und die konkrete Prüfentscheidung, denn sie sind der Prozess selbst und entstehen jedes Mal neu. Ein fünfstufiges Modell ordnet diese Entwicklung von der einzelnen Nutzung über den ersten Prozess und die Wiederholbarkeit bis zur getragenen und schließlich selbstkorrigierenden Organisation – als Gesprächsraster gedacht, nicht als Zertifikat.
Der naheliegende Reflex nach einem erfolgreichen ersten Prozess ist der falsche: ihn auszubauen statt einen zweiten zu beginnen. Mehr Schritte, mehr Volumen, ein schöneres Dashboard – das ist bequem und erzeugt keinen Reifegewinn. Erst ein zweiter Prozess in einem anderen Fachbereich, mit anderen Leuten, zeigt, was am ersten wirklich übertragbar war und was Zufall. Ebenso teuer ist die Umkehrung: eine Organisation, die Plattform, Kompetenzzentrum und Richtlinie beschafft, bevor ein einziger Prozess den vollständigen Zyklus gegangen ist. Beide Fehler fühlen sich nach Fortschritt an – und sind in Wahrheit Aufschub der eigentlichen Frage: Wer begleitet den zweiten Prozess, statt ihn selbst zu machen?
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