Die teuerste Frage in der KI-Automatisierung ist die nach dem Werkzeug

Die erste Frage in fast jedem Automatisierungsvorhaben lautet: Welches Werkzeug nehmen wir? Sie ist die zweitbeste Frage. Automatisierung beginnt mit einem Modell des Prozesses – seinen Schritten, ihren Bedingungen, seiner Variationsbreite –, die Technologie kommt später. Wer das Modell überspringt, automatisiert mit hoher Wahrscheinlichkeit unkontrolliertes Chaos und macht es durch die Automatisierung zusätzlich haltbar.
Der Grund liegt in einer Eigenschaft, die sich nicht wegtrainieren lässt: Ein Sprachmodell hat ausschließlich Zugang zu dem, was ihm als Text vorliegt – nicht zu dem, was eine erfahrene Kollegin über Jahre gelernt und nirgends aufgeschrieben hat. Implizites Prozesswissen lässt sich einer Maschine deshalb nicht übergeben; das Explizitmachen eines Prozesses wird damit von einer Fleißaufgabe zur Voraussetzung. Wer seinen Prozess kennt, kann für jeden Schritt das passende Werkzeug wählen – und beim Anbieterwechsel sein Vorgehen rekonstruieren, statt bei null anzufangen.
Die Kehrseite zeigt sich in drei Mustern, die in der Praxis auffällig oft wiederkehren – nach Beobachtung des Autors, nicht nach Studienlage. Das Werkzeug wird gewählt, bevor der erste Prozess benannt ist, wonach die anschließende Suche nach passenden Prozessen selten den wertvollsten Kandidaten findet. Die Vollautomatisierung wird zum Ziel der ersten Runde erklärt, wodurch der Kontrollschritt gar nicht erst entworfen, sondern später unter Druck nachgerüstet wird. Oder statt eines abgegrenzten Schritts wird gleich die Prozesslandschaft eines ganzen Bereichs angegangen. Alle drei sehen nach Tempo aus und kosten am Ende Zeit.
Methode vor Werkzeug: Wer die Methode beherrscht, kann jedes Werkzeug nutzen. Wer zuerst das Werkzeug lernt, fängt bei jedem Anbieterwechsel von vorn an.
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