Citizen Developer: Wenn die Projektleiterin das Dashboard selbst baut

KI versetzt Fachexperten in die Lage, eigene Anwendungen zu bauen – in Wochen statt Monaten. Das verschiebt die Rolle der IT vom Gatekeeper zum Enabler, verlangt aber, dass Governance zur Plattform-Eigenschaft wird, nicht zum Pflichtenheft.
Wie groß der Sprung ausfällt, zeigt Carolins Ressourcen-Dashboard bei TechServ: Die Projektleiterin ohne Programmiererfahrung baute es mit einer No-Code-Plattform und KI-Copilot in vier Wochen – vollkostig 12.000 bis 15.000 Euro gegenüber 80.000 bis 120.000 Euro und rund vier Monaten für die klassische Lösung. Das ist ein Faktor von rund 7 bis 10 bei den Kosten und rund 4 bei der Dauer. Der Treiber dahinter ist strukturell: 109.000 unbesetzte IT-Stellen in Deutschland treffen auf eine KI, die nicht mehr nur visuelle Low-Code-Modelle erzeugt, sondern echten, portablen Code.
Das eigentliche Risiko sitzt dabei aber nicht im Code, sondern in der Fachlichkeit dahinter: Verlässt Carolin das Unternehmen, ist nicht der Code verloren – KI liest und pflegt fremden Code gut weiter –, sondern das Wissen, warum eine Kalkulation so und nicht anders rechnet und welche Sonderfälle sie kennen muss. Dieses Wissen lebt nur in ihrem Kopf. Die Konsequenz: Governance muss Anforderungen und Prompts als feste Plattform-Eigenschaft sichern, aus der sich bei Bedarf ein fachliches Konzept nachziehen lässt – statt als Übergabe-Ritual, das im Ernstfall ohnehin ausbleibt.
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