Der Workflow bleibt, der Dialog tritt hinzu

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Vorgehensmodelle organisieren die Übergaben zwischen Menschen — aber nicht, wie die Artefakte selbst entstehen. Genau diese verborgene Schicht ändert die KI: Was klassisch im stillen Kämmerlein entstand, entsteht jetzt im iterativen Dialog mit einem Sprachmodell. Der Workflow bleibt die Makrostruktur, der Dialog wird zur neuen Mikrostruktur innerhalb jeder Phase.

Wofür der Dialog spricht: Er verkürzt, was klassisch Wochen brauchte, auf Minuten — ein Architektur-Optionenraum, für den ein Workshop mit mehreren Architekten sonst zwei Wochen gebraucht hätte, entsteht in einer halben Stunde Konversation, inklusive Trade-offs und Risikoliste. Kurze Zyklen, niedrige Hemmschwelle und hohe Iterationsdichte — zehn bis dreißig Durchläufe pro Stunde sind normal — machen daraus eine neue Arbeitsform, keinen bloßen Trick.

Wogegen unreflektierte Begeisterung spricht: Eine schlechte Formulierung ist nicht folgenlos — sie bleibt im Kontext der Sitzung und prägt die folgenden Vorschläge mit. Und der Dialog selbst ist neutral: Ob er zu methodischer Reife oder zu technischer Schuld führt, hängt allein davon ab, wie diszipliniert er geführt wird. Genau daran entscheidet sich, ob aus derselben Technologie am Ende Agentic Engineering oder Vibe Coding wird — die schiere Verfügbarkeit der KI sagt darüber noch nichts. Es entscheidet sich auf der Mikroebene, in jeder einzelnen Phase, jeden Tag neu.

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