Vibe Coding: schnell zum Prototyp, teuer zum Produktivsystem

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Vibe Coding — Andrej Karpathys Begriff für Entwicklung ganz nach Gefühl, ohne Spezifikation, ohne Tests, ohne Architektur-Design — wirft genau die Disziplin über Bord, die Software Engineering ausmacht. Die Kernthese: Das ist kein neues Problem, sondern exakt das „Cowboy Coding” der 1990er, nur mit der Geschwindigkeit heutiger KI-Systeme.

Wofür es spricht: Für Prototypen, Hackathons und Wegwerfsoftware ist der Tausch fair — genau die Nische, die Karpathy selbst dafür vorgesehen hat („throwaway weekend projects”). Und Disziplin lässt sich nachträglich einziehen, ohne Tempo zu verlieren: Ein eigenes Projekt blieb nach dem Umstieg auf klare Leitplanken bei konstanter Code-Produktion pro Tag — nur strukturierter.

Wogegen es spricht: Eine GitClear-Analyse von 211 Millionen geänderten Codezeilen zeigt den Umschlag messbar: Der Anteil duplizierten Codes stieg von 8,3 auf 12,3 Prozent (2021–2024), während der Refactoring-Anteil von 25 auf unter 10 Prozent fiel. Copy-Paste überholte damit erstmals das Refactoring. Die Korrelation ist nicht kausal belegt, aber der Trend ist eindeutig — und der Schmerz kommt erst später, wenn ein Rewrite fällig wird.

Die Grenze verläuft also nicht bei der Methode selbst, sondern beim Einsatzzweck: kurzlebig und risikoarm — vertretbar. Produktiv und langlebig — nicht ohne Leitplanken.

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