Die Digitalisierungsstrategie von 2020 ist nicht falsch — nur zu langsam

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Ein einzelner digitalisierter Prozess ist keine Strategie, ein einzelnes Dashboard keine Transformation. Ihre Digitalisierungsstrategie von 2020 ist deshalb nicht falsch — sie ist zu langsam für eine Welt, in der KI die Investitionszyklen um eine Größenordnung verkürzt und die Geschäftsverantwortung von der IT-Verantwortung getrennt hat.

Am deutlichsten zeigt sich das an den Kosten: Derselbe Prozess, der 2020 rund 500.000 Euro kostete und zwölf Monate dauerte, kostet 2026 als intern umgesetzter Pilot etwa 15.000 Euro und dauert fünf Wochen. Plötzlich lassen sich 20 kleine Projekte finanzieren statt zwei großer — aus „ob wir uns Digitalisierung leisten” wird „welche Prozesse zuerst”. Dieselbe Verschiebung trifft die zweite alte Annahme: Schreiben Citizen Developer den Code selbst, ist Digitalisierung keine IT-Aufgabe mehr, sondern Geschäftsaufgabe.

Doch der Optimismus braucht eine Bremse: Gartner beobachtet, dass KI 2026 durchgängig das „Trough of Disillusionment” durchläuft — das Tal der Enttäuschung, in dem überzogene Erwartungen korrigiert werden, bevor eine Technologie produktiv wird. Was danach übrig bleibt, sind selten spektakuläre Lösungen, sondern pragmatische, methodisch integrierte Anwendungen. Wer die neue Kostengleichung mit dem Anspruch verwechselt, jedes Projekt sofort umzusetzen, verwechselt Tempo mit Reife.

Die praktische Konsequenz: Strategie bleibt Chefsache, nicht IT-Aufgabe — entschieden am Kundennutzen und am Geschäftsmodell, priorisiert nach der Formel Nutzen × (Aufwand ÷ KI-Reduktion). Digitalisierung wird zur Daueraufgabe im Sechs-Wochen-Takt statt zum Fünfjahresprogramm mit Richtfest.

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