Wirtschaftlichkeit: Zwei Tage Rechnung, neun Monate Durchlaufzeit

Eine Wirtschaftlichkeitsrechnung selbst ist keine komplizierte Rechenarbeit — ein erfahrener Controller bringt sie in zwei bis drei Tagen zu Papier, sobald die Inputs vorliegen. Der eigentliche Engpass liegt woanders: in der Beschaffung dieser Inputs und in der Genehmigung des Ergebnisses. Genau dort greift KI.
Dafür spricht die Durchlaufzeit-Rechnung: Aus Idee und Hypothesen entsteht im KI-Dialog ein Lösungskonzept mit grober Architektur in Tagesarbeit statt in den klassischen vier bis acht Wochen — die Basis für eine belastbare Schätzung, bevor überhaupt Geld für ein Grobkonzept fließen muss. Ausschreibungs-Zyklen verkürzen sich ähnlich, weil auch Dienstleister mit KI schneller ein belastbares Angebot kalkulieren. In der Summe verkürzt sich die klassische Durchlaufzeit von drei bis neun Monaten auf vier bis acht Wochen — ein Faktor von drei bis fünf, während der reine Rechenaufwand selbst nur um 30 bis 50 Prozent sinkt. Sinken zugleich die Umsetzungskosten spürbar, unterschreiten Vorhaben oft sogar bestehende Genehmigungsschwellen und sparen einen ganzen Gremien-Zyklus.
Dagegen spricht die Governance-Kehrseite: Kostenschwellen sind nur ein Proxy für Risiko. Ein billiges KI-Vorhaben kann dasselbe Datenschutz- oder Regulatorik-Risiko tragen wie ein teures — wer die Genehmigungs-Schwelle unterschreitet, entzieht es unbemerkt der Gremien-Sicht, und über viele kleine Vorhaben hinweg wandert so Risiko unter den Radar.
Die Konsequenz: Organisationen sollten Genehmigungskriterien risikobasiert statt rein kostenbasiert nachziehen, sonst wird aus der schnelleren Wirtschaftlichkeit ein blinder Fleck.
→ Mehr zum Buch und zum Kapitel „Wirtschaftlichkeitsrechnung und Budgetierung”
Diskussion
Gedanken, Rückfragen oder Widerspruch? Schreib gern einen Kommentar — nach einer kurzen Sichtung erscheint er hier.