Projektsetup: Warum die KI-Welle stabile Teams statt Projekt-Teams ermöglicht

Ein Team aus dem Pool zusammenwürfeln, einspielen lassen, nach dem Projekt wieder auflösen — dieses Muster wirkt naturgegeben, ist es aber nicht. Es folgt aus Auslastungslogik, nicht aus technischer Notwendigkeit. Wenn KI-gestützte Entwicklung den Personalbedarf pro Vorhaben senkt, wird der Wechsel zum kleineren, stabilen Domänenteam erstmals praktikabel.
Dafür spricht die Koordinations-Ökonomie: Der Aufwand eines Vorhabens wächst überproportional mit der Teamgröße, weil die Zahl der Kommunikationspfade quadratisch steigt. Eine Auswertung von 491 abgeschlossenen Projekten ähnlicher Größe durch Quantitative Software Management zeigt das in Zahlen: Kleine Teams von rund vier Personen brauchten etwa 24 Personenmonate, große Teams von rund 32 Personen etwa 178 — knapp das Siebenfache bei nahezu gleicher Laufzeit und rund fünffacher Fehlerzahl. Ein Vorhaben von acht auf vier Köpfe zu verkleinern, spart also nicht nur die halbe Kopfzahl, sondern überproportional viel Koordinationsaufwand — und ein stabiles Team durchläuft die Forming-Phasen nur einmal, statt bei jedem neuen Projekt erneut.
Dagegen spricht der Bus-Faktor: Kleinere Teams konzentrieren Wissen auf weniger Köpfe. Der Weggang einer einzelnen Person trifft ein Vierer-Team ungleich härter als ein Achter-Team — rechnerisch nimmt er ein Viertel statt ein Achtel des Domänenwissens mit. Wissens-Externalisierung über Architektur-Entscheidungen und gepflegte Kontext-Artefakte wird damit von einer Kür zur Pflicht.
Die Strukturthese trägt nur, wenn Organisationen genau diese Gegenrechnung von Anfang an einplanen — sonst wird aus dem stabilen Team ein fragiles.
→ Mehr zum Buch und zum Kapitel „Organisatorisches Projektsetup — Auftrag, Staffing, Team, Kickoff”
Diskussion
Gedanken, Rückfragen oder Widerspruch? Schreib gern einen Kommentar — nach einer kurzen Sichtung erscheint er hier.