Neun Jahre Digitalisierung – und fast nichts bewegt sich

2017 war das Jahr des digitalen Aufbruchs: Milliardeninvestitionen, Transformationsstäbe, Beraterheere. Neun Jahre später ist der gemessene Digitalisierungsgrad deutscher Unternehmen kaum gestiegen – und das lag nie an der Technologie, sondern an sechs hartnäckigen organisatorischen Barrieren.
Wie wenig sich bewegt hat, zeigen die einzigen belastbaren Zeitreihen unmissverständlich: Der bayerische Digitalisierungsgrad verbesserte sich zwischen 2020 und 2025 von 2,9 auf 2,7 – 0,2 Punkte in sechs Jahren –, und der bundesweite DIHK-Wert liegt 2026 bei 2,8, unverändert gegenüber dem Vorjahr. Das, obwohl der deutsche ITK-Markt im selben Zeitraum von 161 auf prognostizierte 245 Milliarden Euro wuchs. Wie hartnäckig das ist, zeigt sich exemplarisch an der jüngsten Welle: 94 Prozent der Unternehmen stoßen auf erhebliche Probleme, wenn sie KI über den Pilotstatus hinaus operativ skalieren wollen, obwohl 77 Prozent sie als Vorstandspriorität bezeichnen (DXC Technology 2025).
Die Ursache waren nie fehlende Ambitionen, sondern sechs organisatorische Barrieren, die sich seit 2016/17 fast unverändert wiederfinden – von der Bewusstseinsbarriere (Transformation als Risiko statt Chance) bis zur Autonomiebarriere (Agilität fordern und im nächsten Meeting Abweichungsreports verlangen). Wie real das ist, zeigt der Fallstudien-Mittelständler TechServ: Ein 2019 gestartetes Digitalisierungsprojekt kostete neun Monate und 250.000 Euro – am Ende nutzten nur 60 Prozent der Mitarbeiter das neue System wirklich. Gleichzeitig wächst der äußere Druck durch Fachkräftemangel, Regulierung und neue Konkurrenz, sodass die bisherige Art zu digitalisieren – langwierig, teuer, planungsintensiv – nicht mehr trägt.
→ Mehr zum Buch und zum Kapitel „Digitalisierung 2017 vs. 2026”
Diskussion
Gedanken, Rückfragen oder Widerspruch? Schreib gern einen Kommentar — nach einer kurzen Sichtung erscheint er hier.