Selbstversuch: eine produktionsreife App, obwohl ich seit 15 Jahren keinen Code mehr geschrieben hatte

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Kann jemand, der seit 15 Jahren keinen Code mehr geschrieben hat, mit KI-Unterstützung eine produktionsnahe Anwendung bauen? Der Selbstversuch beantwortet das mit Ja — mit einer entscheidenden Einschränkung: Reicht konzeptionelles Verständnis für die Ausführung durch KI, entscheidet am Ende doch der Mensch über die Architektur.

Wofür es spricht: In 18 aktiven Entwicklungstagen entstanden 46.433 Zeilen Code und 975 automatisierte Tests — eine Nettoproduktivität von 2.579 Zeilen pro Tag, verglichen mit historischen Benchmarks das 50- bis 100-Fache. Drei Monate später hatte sich die Codebasis verdreifacht, während Testabdeckung, Duplikationsrate und Komplexität sich gleichzeitig verbesserten statt zu verfallen — der Beweis, dass der Speedup methodisch trägt und keine Anfangsenergie war.

Wogegen es spricht: Der entscheidende Moment des gesamten Projekts — der komplette Architektur-Umbau in Woche drei, als SQLite und Streamlit an ihre Grenzen stießen — erforderte menschliches Urteilsvermögen; die KI hätte anstandslos weiter in die falsche Richtung gebaut. Und das Projekt bleibt ein Grenzfall: ein Solo-Autor ohne Abstimmungsaufwand, ein Greenfield ohne Altlasten, ein ausformulierter Methoden-Rahmen. Der Survivorship Bias ist real — ein gescheiterter Architektur-Umbau hätte ein gescheitertes Projekt bedeutet, kein Buch. Auf Brownfield-Projekte und Teams mit heterogenem Erfahrungsniveau lässt sich der Faktor nicht ohne Weiteres übertragen.

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