Fachliches Grobkonzept: Wenn BPMN die Lücken sichtbar macht, die der Workshop verschweigt

Ein Architekt beginnt zu zeichnen — und merkt, dass die fachliche Grundlage löchrig ist: Was passiert bei einer Teilstornierung? Wer darf eine Sperre setzen? Diese Fragen müssten im fachlichen Grobkonzept geklärt sein, sind es aber oft nicht, weil klassische Workshops zu kurz und zu fachbereichsabhängig sind. Der KI-Hebel ist kein neues Tool, sondern ein anderes Arbeitsmuster: kurze, dialogische Klärungs-Sessions statt halbtägiger Workshops.
Dafür spricht die BPMN-Disziplin: Eine formale Notation liefert der KI klare Strukturen — und macht Lücken automatisch sichtbar. Ein verzweigendes Gateway ohne ausmodellierten Alternativpfad erzwingt genau die Frage, die im Workshop-Protokoll sonst untergeht: „Welche Fälle gibt es, und was passiert in jedem?” Für die fachlich-funktionalen Artefakte — Domänenmodell, Prozessmodelle, Use Cases, Geschäftsregeln-Katalog — ist die Reduktion drastisch: von drei bis zwölf Wochen klassisch auf methodisch geschätzt drei bis fünf Tage, verteilt auf ebenso viele 60-Minuten-Sessions mit dem Fachbereich.
Dagegen steht eine harte Grenze bei den regulatorischen Artefakten: Für Schutzbedarfsfeststellung, Datenschutz-Folgenabschätzung und Bedrohungsmodell gilt diese Zahl ausdrücklich nicht. Bei der KI-gestützten STRIDE-Bedrohungsanalyse etwa erreichten Modelle in einer Fallstudie nur 72 Prozent Genauigkeit — mit sowohl verfehlten als auch frei erfundenen Bedrohungen. Hier bleibt es bei einem schnelleren Erstentwurf ohne belastbare Prozentzahl, und die Freigabe bleibt in jedem Fall menschlich.
Der Fachbereich beantwortet Fragen, statt Konzepte zu schreiben — schneller und zugleich präziser, weil die Notation systematisch nach Lücken fragt.
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